Quartals-Trick

Die Idee:

Der erste Monat in einem neuen Quartal weist regelmäßig eine Outperformance zum Rest des Quartals auf. Schlaue Investoren können den Quartals-Trick nutzen und vermehrt am Anfang des Quartals ihr Geld investieren. In der Mitte und am Ende eines Quartals gibt es im Durschnitt weniger Performance zu verdienen und die Börse ist schwankungsanfälliger.

Um vom Quartals-Trick zu profitieren investiere ich mein Geld nur im ersten Monat des Quartals. Ich investiere also im Januar, April, Juli und Oktober für einen Monat und bin für vier Monate im Jahr im S&P 500 oder im Dow Jones investiert.

In der Praxis kann man z.B. einen S&P 500-ETF für 10.000 Euro zu Beginn eines Quartals kaufen und diese Position dann bis zum Monatsende halten. Zu Beginn des nächsten Quartals würde man erneut investieren. Wieder behält man diese Position für einen Monat und veräußert sie, nachdem der erste Monat im Quartal abgeschlossen ist. Alternativ könnte man auch jeweils einen Korb aus Aktien im ersten Monat des Quartals halten.

In jedem Jahr gibt es acht Zeitpunkte an denen man aktiv werden muss. Es gilt, direkt zu Beginn des Quartals zu kaufen und am Ende des ersten Monats vom Quartal wieder zu verkaufen. In der Quartalsmitte und am Quartalsende ist diese Strategie nicht investiert. Es ist kein Stop Loss und kein Take Profit vorgesehen.

Das Ergebnis für den S&P 500 ab 01.01.1945:

Das Ergebnis für den Dow Jones ab 01.01.1945:

Warum es funktioniert:

In der Betriebswirtschaftslehre sprechen wir häufig von einem vollkommenen Markt, um einfache Modelle erklären zu können und weil es bestimmte Annahmen braucht, um einen komplexen Sachverhalt wie z.B. die Börse modellhaft und einfach zu erläutern. Für einen vollkommenen Markt gelten folgende Bedingungen:

  • vollständige Transparenz, keine Transaktionskosten und Steuer
  • homogene Erwartungen (jeder hat die gleichen Annahmen über den Markt)
  • rational agierende und nutzenmaximierende Marktteilnehmer

Die Börse ist komplexer und lässt sich nicht mit der Idee des vollkommenen Marktes erklären. Das schafft Chancen für aktive Anleger. Durch einen einfachen Informationsvorsprung und die konsequente Umsetzung eines Vorteils ist eine Outperformance mit dem Quartals-Trick möglich.

Aber warum funktioniert diese Anomalie schon seit über 75 Jahren? Zu Beginn eines Quartals verfügen institutionelle Investoren häufig über frische Risikobudgets. Sie konnten in Gesprächen mit ihren Kunden Mittel akquirieren. Diese werden meist zum Start des Quartals angelegt, um eine Abgrenzung der Performance über die Quartale zu ermöglichen. Gerade wenn wir ein gutes Aktienjahr haben und die Börse Kursgewinne aufweist, haben große Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften die Möglichkeit, zu Beginn eines Quartals mehr Kapital in Risikopositionen zu allokieren und Trends damit zu verstärken.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Outperformance im ersten Monat des Quartals sind die Ankündigungen für Aktienrückkäufe von Unternehmen (Buybacks). Diese finden ebenfalls klassisch zu Beginn des Quartals statt. Bevor Unternehmen ihre eigenen Aktien zurückkaufen, müssen sie firmeninterne Prozesse durchlaufen, brauchen die Zustimmung der Hauptversammlung und müssen die Aufsicht informieren. Das dauert einige Zeit und häufig findet sowohl die Ankündigung für einen Rückkauf wie auch die tatsächliche Umsetzung dann zu Beginn eines neuen Quartals statt. Diese Nachfrage nach Aktien erhöht klassisch den Preis.

Gut:

  • Sehr einfaches System
  • Psychologisch leicht umzusetzen
  • Sehr langer und sehr stabiler Backtest
  • Sehr gute Liquidität im S&P 500
  • Prämie lässt sich erklären
  • Sehr gute Trefferquote
  • 66% der Zeit nicht im Aktienmarkt investiert und daher weniger Risiko
  • Funktioniert in europäischen und amerikanischen Märkten

Schlecht:

  • Kein Stop Loss zur Risikobegrenzung

Interessant:

  • Verbesserung der Strategie durch individuelles Timing möglich
  • Funktioniert in allen großen Aktienmärkten aber am besten im Dow Jones
  • Im ersten Monat des Quartals sind die Schwankungen häufig auch gering
  • Performance kann durch den Verkauf von Put-Optionen oder mit aktivem Trading weiter verbessert werden