Halloween-Effekt

Die Idee:

Die Idee ist denkbar einfach und wurde das erste Mal in der Financial Times 1964 erwähnt. Ich kaufe Anfang November den S&P 500 und halte die Position bis Ende April. In den sechs Monaten zwischen Mai und Oktober bin ich nicht in den S&P 500 investiert und halte Kasse. Es handelt sich hierbei um den klassischen „Sell in May and Go Away“-Ansatz, der vielfach untersucht wurde. Trotz der hohen Bekanntheit scheint diese Kapitalmarktanomalie weiterhin zu existieren. Der Halloween-Effekt bietet Anlegern langfristig die gleiche Rendite wie ein „Buy and Hold“-Investment, hat aber nur das halbe Risiko. Für die Strategie ist kein Stop Loss und kein Take Profit vorgesehen.

Das Ergebnis für den S&P 500 ab 01.01.1970:

Das Ergebnis für den DAX ab 01.01.1970:

Das Ergebnis für den TWSE (Taiwan Stock Exchange) ab 01.01.1970:

Warum es funktioniert:

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Kapitalmarktanomalie sehr robust ist. In 36 von 37 getesteten Märkten konnte durch den Halloween-Effekt eine Überrendite erzielt werden. Für den britischen Aktienmarkt gibt es sogar Untersuchungen, die bis in das Jahr 1694 zurück reichen und den Effekt als profitabel beschreiben. Bei der Begründung tuen sich die Akademiker allerdings schwer. Sagt doch die Theorie der effizienten Märkte, dass solche Überrenditen – über eine lange Zeit – nicht möglich sind. Alle Marktteilnehmer sollten diesen Vorteil erkennen und es müsste theoretisch Arbitrage einsetzen bis der Effekt ausgeglichen ist.

Als Praktiker weiß ich aber, dass nicht alle Marktteilnehmer immer rational agieren und ihre Ziele und Motive ganz unterschiedlich sein können. Meine Begründung ist daher, dass die Nachfrage nach Aktien in den Wintermonaten höher ist als im Sommer. Strategische Unternehmens‐ und Anlageentscheidungen werden i.d.R. zwischen November und April getroffen. In dieser Zeit kommt es auch häufiger zu Firmenübernahmen. Mittelzuflüsse haben ein deutliches Minimum in den Sommermonaten und ziehen über die Wintermonate deutlich an. Die Nachrichtenfrequenz ist im Sommer geringer als im Winter (Sommerloch). Die Liquidität ist in den Sommermonaten ebenfalls geringer, da die Anzahl der Marktteilnehmer deutlich ausgedünnt ist. Dementsprechend geht das Handelsvolumen zurück und es besteht weniger Interesse, bei fallenden Aktien zuzugreifen. Außerdem ist die Urlaubszeit von Bedeutung. Investoren verkaufen ein Teil ihrer Aktien um sich im Urlaub etwas zu gönnen. Finanzielle Mittel, die während des Urlaubs nicht ausgegeben wurden, fließen dann nach dem Urlaub wieder in den Aktienmarkt zurück. Deswegen funktioniert der Halloween-Effekt in der Praxis und Investoren sind gut beraten, eher in den Wintermonaten Aktien zu halten und nicht unbedingt im Sommer.

 Gut:

  • Sehr einfaches System
  • Leicht umzusetzen
  • Strategie funktioniert in Großbritannien schon seit 1694
  • Hohe Liquidität in den jeweiligen Aktien-Futures bzw. ETFs
  • Wenige Trades bedeuten wenig Stress
  • Sehr wenige Transaktionen und nur geringe Transaktionskosten
  • Sehr gute Performance über die Zeit in verschiedenen globalen Aktienmärkten
  • Vielfach in wissenschaftlichen Publikationen bestätigt
  • Wir sind nur zu 50 % im Jahr in Aktien investiert
  • Die Strategie erzeugt eine Outperformance in 36 von 37 getesteten Märkten

Schlecht:

  • Die Resultate haben sich im letzten Jahrzehnt leicht verschlechtert, sind aber noch immer signifikant
  • Kein SL
  • Das Kapital ist für 6 Monate im Jahr gebunden

Interessant:

  • Verbesserung der Strategie durch individuelles Timing möglich
  • Funktioniert besonders gut bei europäischen Aktienmärkten
  • Der Halloween-Effekt kann auch bei einzelnen Aktien genutzt werden
  • Funktioniert auf der Nord- und auf der Südhalbkugel
  • Strategie kann sehr gut mit anderen Strategien kombiniert werden
  • Strategie könnte mit dem Verkauf von Put Optionen noch weiter optimiert werden

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