Morning Break Out

Die Idee:

Die erste Bewegung am Morgen ist oft die Entscheidende. Um vom Morning Break Out profitieren zu können, sehe ich mir die Kursbewegung im Dax-Future zwischen 9 und 10 Uhr morgens an. Das in dieser Zeit gehandelte Hoch nutze ich beim Überschreiten, um in Trendrichtung Long zu gehen. Wenn stattdessen jedoch das Tief unterschritten wird, gehe ich entsprechend Short. Es wird dabei nur der erste Ausbruch gehandelt. Damit gibt es nur einen Trade am Tag oder  – wenn der FDAX den ganzen Tag über seine 9-10 Uhr Handels-Range nicht verlässt – entsprechend keinen Trade, weil es zu keinem Break Out gekommen ist.

Die Handelsspanne zwischen 9 und 10 Uhr definiere ich dabei als Range für den Handelstag in Punkten = 1 R. Je größer die Amplitude zwischen 9 und 10 Uhr, desto größer ist mein R für den jeweiligen Tag. Wenn dann der Ausbruch in Trendrichtung erfolgt, (es gibt also ein höheres Hoch oder ein tieferes Tief als das aus der Handelsspanne von 9 -10 Uhr) setze ich 1 R als Take Profit in Trendrichtung und gleichzeitig setze ich 0,5 R, also eine halbe Handelsspanne als Stop Loss. Damit habe ich ein Gewinn- Verlustverhältnis für den Trade von 2 zu 1. Sollte die Position über den Tag ein halbes R im Profit sein, ziehe ich mein Stop Loss auf Einstand – plus einen Punkt für die Transaktionskosten – nach. Dadurch kann ich maximal 0,5 R pro Trade verlieren. Ist die Position nicht bis 21:15 Uhr durch ein Stop Loss oder ein Take Profit geschlossen worden, schließe ich die Position mit einem Zeit Stop. Damit wird keine Position über Nacht gehalten.

Beispiel:

Das Ergebnis der Strategie „Morning Break Out“ vom 10.05.2002 bis 13.05.2016:

Warum es funktioniert:

Die beschriebene Strategie ist etwas komplexer in der Umsetzung aber die Logik hinter dem kausalen Vorteil ist einfach und nachvollziehbar. Viele großen Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften halten jeden Morgen ihr sogenanntes Morning Meeting ab. Dabei kommen die Investmentprofis aus den jeweiligen Abteilungen zusammen und besprechen ihre Strategie für den kommenden Tag. Auf der Buy-Side werden einzelne Analysen vorgestellt und daraus konkrete Trades abgeleitet. Nach dem Morning Meeting werden entsprechende Orders an die Handelstische erteilt.

Wenn die Investmentgesellschaften eher einen freundlichen Tag am Kapitalmarkt erwarten (risk-on), weil z.B. positive Nachrichten aus den USA und Asien über Nacht gekommen sind, werden sie Aktien kaufen und insgesamt einen positiven Tagestrend begünstigen. Die Händler werden also gegen 10 Uhr anfangen die Orders von den Portfolio Managern aufzunehmen und sukzessive den ganzen Vormittag über kaufen. Damit ist die Bewegung, die um ca. 10 Uhr ausgelöst wurde, im DAX-Future von besondere Bedeutung, weil diese häufig vom „großen Geld“ getragen wird und es einige Stunden dauern kann, bis alle Kaufaufträge abgearbeitet worden sind. Die Kurse steigen dann aufgrund dieser institutionellen Nachfrage.

Ähnlich läuft es ab, wenn schlechte Nachrichten über Nacht gekommen sind. Man sitzt wieder im Morning Meeting zwischen 9 und 10 Uhr zusammen und kommt dann zu der Meinung, dass es eher ein schwieriger Handelstag werden wird (risk-off). Dementsprechend werden Verkaufsorders nach dem Morning Meeting erteilt und die Bewegung, die um 10 Uhr stattfindet, gibt eine Indikation dafür, dass das große Geld an diesem Tag eher Risiken abbauen möchte bzw. sich gegen fallende Kurse absichern will. Ein schwacher Börsentag wird damit wahrscheinlich.

Gut:

  • Liquidität im FDAX ist in der Regel gut
  • Geringe Transaktionskosten
  • Einfach erklärbar
  • Strategie verdient auf der Long und auf der Short Seite Geld
  • Stabile Resultate über die Zeit
  • Häufige Signale

Schlecht:

  • Manuell aufwendig umzusetzen
  • Streckenweise läuft die Strategie nur seitwärts
  • Teilweise kommt es zu einer Slippage beim realen Handel
  • Verlässliche Tickdaten für einen Backtest erforderlich
  • Nicht geeignet für institutionelle Portfolio Manager

Interessant:

  • Verbesserung der Strategie durch individuelles Timing möglich
  • Strategie funktioniert besonders gut nach der Finanzkrise
  • Strategie funktioniert auch bei einzelnen Aktien sehr gut
  • Strategie funktioniert auch in anderen Märkten und Asset Klassen

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